Historie

Titel Historie

Erinnerungen an die Geschichte des BSV

Die Geschichte des Bürger-Schützen-Vereins Dormagen ist bisher nicht in lückenloser Vollständigkeit belegt und geschrieben worden. Bei der Suche nach Zeugnissen zur Entstehung des Dormagener Schützenwesens war uns der damalige Stadtdirektor und Ehrenbürger der Stadt Dormagen, Herr Paul Wierich, eine außerordentliche Hilfe; er konnte unter Zuhilfenahme und Auswertung der spärlichen alten Dokumente einen wesentlichen Beitrag zur geschichtlichen Entwicklung des Bürger-Schützen-Vereins Dormagen leisten.

Die Gründung des Bürger-Schützen-Vereins Dormagen geschah in einer Zeit, die für unsere Tage entscheidende Akzente gesetzt hat und doch in unserer bewussten Erinnerung kaum noch existent ist.

Fürst Bismarck wurde damals erster Kanzler des norddeutschen Bundes der 22 Staaten nördlich des Mains, und Kaiser Franz-Josef war Herrscher der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. Die Vereinigten Staaten von Amerika kauften 1867 für 7,2 Millionen Dollar Alaska von Russland ab, Johann Strauß (Sohn) komponierte seinen unsterblichen Walzer “An der schönen blauen Donau”, Karl Marx schrieb im gleichen Jahr sein erstes Buch “Das Kapital” und Werner von Siemens entdeckte mit dynamoelektrischen Prinzip die Elektrotechnik.

Die Gründer der St. Hubertus Schützengesellschaft vor dem ehemaligen Gertrudenhof

Die Gründer der St. Hubertus Schützengesellschaft vor dem ehemaligen Gertrudenhof

Nach der Revolution von 1848/49 erfüllten sich in Deutschland zwar nicht alle erhofften bürgerlichen Grundrechte, aber eine teilweise gesellschaftliche und politische Öffnung führte zu einer Liberalisierung und Lockerung des Vereinsrechtes und somit zu vermehrten Neugründungen von Schützengesellschaften im Rheinland. Auch die Dormagener Bürger zeigten ihre Aufgeschlossenheit für die Moderne des Jahres 1867 damit, dass sie sich veranlasst sahen, eine im Mittelalter in Deutschland entstandene bürgerliche Vereinigung zur Pflege des Schießsportes und der Geselligkeit, einen Bürger-Schützen-Verein in unserem unmittelbaren Lebensbereich entstehen zu lassen.

Nach den Tagebuchsnotizen des Joan Peter Delhoven in seiner Rheinischen Dorfchronik wurden schon Anfang des 19. Jahrhunderts dem Schützenfest sehr ähnliche Veranstaltungen und Volksfeste gefeiert. Nach seinen Aufzeichnungen fand am 2. Juni 1811 gar ein Vogelschießen in Dormagen statt. Einen Verein oder eine Bruderschaft als Veranstalter erwähnte Delhoven nicht. Es muss aber schon im Mittelalter eine Bruderschaft in Dormagen gegeben haben. In einem Visitationsprotokoll der katholischen Kirche St. Michael zu Dormagen, Anno 1550, wird ein Heinrich Schoenmecher als Brudermeister und Schöffe erwähnt.

Im Bericht über den “Send” vom 15. Februar 1560 ist dann auch von einer Bruderschaft in Dormagen die Rede. Der “Send” war bekanntlich das vom 9. Jahrhundert an jährlich stattfindende kirchliche Sittengericht für Laien, Verstöße gegen kirchliche Gesetze wurden mit Kirchenbußen geahndet. In der ersten Generalversammlung des “Comite’s zur Gründung eines Dormagener Bürger-Schützen-Vereins” am 1. Dezember 1867 im Saale des Gastwirtes Peters meldeten sich 147 Mitglieder an (bei einer damaligen Einwohnerzahl von ca. 1.900 Einwohnern) – dies war ein hoher Prozentanteil der männlichen Bürgerschaft. J. Peter Jussenhoven wurde von der Versammlung zum 1. Schützenchef gewählt.

In der Präambel zum ersten Statut vom 27. Dezember 1867, die von den Vorstandsmitgliedern J. Peter Jussenhoven, Engels und H. Odaniel unterzeichnet wurden, wird einleitend festgestellt, dass die Gründung einer Schützengesellschaft, die schon längst in Dormagen Gegenstand allgemeinen Wunsches war, unverkennbar ein Ereignis ist, das die ganze Einwohnerschaft Dormagens mit Freude begrüßt und verdient, in frischem Andenken stets erhalten zu werden; denn es legt Zeugnis ab für den gesunden und fröhlichen Sinn einer lebensmutigen Bevölkerung, die die Zweckdienlichkeit eines Vereins erkannt hat, der notwendigerweise dahin wirken muss, Bürger- und Gemeinsinn zu fördern und unter allen Ständen eine auf gegenseitige Achtung und Aufrichtigkeit beruhende innige Verbindungen hervorzurufen. Zur Weckung allgemeinen Frohsinns und des geselligen Vergnügens unter den Bewohnern Dormagens und der nahen und fernen Umgebung sollte jährlich das “Petri- und Paulsfest” durch einen feierlichen Schützenaufzug und durch Preis- und Vogelschießen zu einem wahren Volksfest gestaltet werden. Mit dem jährlichen Vogelschießen wurde der beste Schütze ermittelt und geehrt. Der erfolgreiche Schütze erhielt aus Mitteln des Vereins ein Ehrengeschenk und wurde vom Vorstand dem versammelten Volke als “Schützenkönig” vorgestellt und vom Schützencorps im Triumphzug nach Hause begleitet.

Nachdem Oberpräsident der damaligen Rheinprovinz, von Pommer-Esche, am 15. April 1868 die Statuten genehmigt hatte, wurde sie von Bürgermeister Noel dem Verein ausgehändigt. Dieser war indes schon eifrig mit der Vorbereitung des 1. Schützenfestes beschäftigt.

Am 18. Juni 1868 erhielt der “wohlgeborene Bürgermeister” die Anzeige, dass der Verein nunmehr beabsichtigt, am 28./29. Juni sein erstes Schützen -und Volksfest zu feiern. Namentlich wird beabsichtigt, an diesen Tagen Schützenaufzüge unter Musikbegleitung durch den Ort zu machen, Preis- und Vogelschiessen unter Conzertbegleitung in den so genannten Grintkaul (am Südost- Ortsrand von Dormagen) vorzunehmen, dort eine Trinkhalle für die Schützen und geladene Gäste zu errichten und im Vereinslokal Peters einen Schützenball abzuhalten. (siehe Festanzeige).

Parade während des Schützenfestes 1962

Parade während des Schützenfestes 1962

Am 15. Mai 1869 drohte der Bürgermeister dem Schützenchef eine Gefängnisstrafe bis zu sechs Wochen an, weil jener ohne Erlaubnis Werbeschriften für das zweite Schützenfest an öffentlichen Wegen hatte anbringen lassen. Zu diesem zweiten Fest wurde bereits ein Schützenzelt auf dem Grundstück Lommertz errichtet. Das Fest dauerte drei Tage, und an dem darauffolgenden Sonntag fand man Anlass, zur “Erinnerung an den ewig denkwürdigen Tag des vor drei Jahren stattgefundenen großen Sieges der preußischen Truppen bei Königsgrätz” in festlicher Weise weiter zu feiern. Im Jahre 1871 wurde das Schützenfest – wegen des jetzt glorreich beendeten Krieges gegen Frankreich – erst am 26. August begangen.

Ab 1873 übernahm Heinrich Odaniel die zweite Vereinsführung. Durch eine Satzungsänderung vom 17. Januar 1875 wurde das jährliche Schützenfest offiziell an drei Tagen gefeiert. Ab 1879 kündigten am Vorabend Böllerschüsse das jeweilige Fest an, und es endete mit dem großen Zapfenstreich. Ab 1880 feierte man das Fest auf denWiesen gegenüber dem alten Krankenhaus an der “unteren Tränke”, übrigens auf dem Platz, wo bereits 1810/11 auf den Königsvogel geschossen wurde.

Von 1887 – 1912 leitete Gerhard Zaun die Geschicke des Vereins und bezeugte seinen Schützengeist unter anderem damit, dass er während seiner Amtszeit als Schützenchef nicht weniger denn viermal Schützenkönig wurde. 1912 wurde er nach 25-jähriger Amtszeit als Schützenchef zum “Ehrenvorsitzenden” ernannt, und Wilhelm Herf trat an die Spitze des Vereins bis 1921.

Der 1. Weltkrieg verhinderte sieben Jahre lang die Durchführung des Festes. 1921 übernahm dann Heinrich van Achten die Vereinsführung bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939. Gemäß Vereinssatzung war Heinrich van Achten – wie seine Vorgänger – Vorsitzender des Vorstandes und Chef des Regimentes (Oberst). Unter seiner Leitung feierte der Verein vom 24. bis einschl. 29. Juni 1922 das 50. Volksfest – also das 55. Stiftungsfest – mit großem Erfolg.

Zuvor hatte am 14. Juni 1922 die Interalliierte Hohe Kommission des Rheinlandes dem Verein auf dessen Ersuchen, ein Schützenfest in Dormagen abzuhalten, mitgeteilt, dass sie gegenwärtig keinen Grund habe zu einer ungünstigen Entscheidung. “Indessen lenke ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Anordnung Nr. 3 (Versammlungen) und Nr. 65 (Vereine). Andererseits weise ich Sie daraufhin hin, dass Sie für jeden Zwischenfall verantwortlich sind, der geeignet wäre, die öffentliche Ordnung zu stören. Das Beflaggen der Häuser in den Farben weiß-rot, weiß-gelb und weiß-blau, das Mitführen von Vereinsfahnen, das Tragen von “Fantasie Uniformen”, die nichts mit der militärischen Kleidung irgendeiner Nation zu tun haben, werden erlaubt”. Die aus Neuss abgeordneten Landjäger erhielten die Instruktion, drauf zu achten, dass keine militärischen Abzeichen angelegt und weder Zierdegen noch Holzgewehre getragen wurden. Den Soldaten der Besatzungsmacht war das “Durchqueren” des Festzuges zu gestatten.

Das Königsvogelschießen mit Büchsen von großem Kaliber und geringer Treffweite wurde erlaubt. Das Fest, das unter der Leitung von Heinrich van Achten stand, verlief ohne Beanstandung. (siehe Foto von Heinrich van Achten). 1924 ordnete die Hohe Kommission für das Königsvogelschießen die Benutzung von Jagdgewehren an, verbot aber das Abhalten einer Parade und das Marschieren von Trommlercorps im Festzug. Am 26. Juni 1928 wurde der Verein in das Vereinsregister Neuss eingetragen. In den folgenden Jahren wurden immer mehr Schützenzüge und Kompanien gegründet. Dormagen erlebte durch den Ausbau der damaligen I.G. Farbenindustrie, Werk Dormagen, einen erfreulichen wirtschaftlichen Aufschwung – die Einwohnerzahl stieg an.

Mitte der 30er-Jahre wurde der Druck der Partei (NSDAP) auf das Schützenwesen im Rahmen der “Gleichschaltung” immer stärker – der Versuch, das Schützenwesen auch in Dormagen unter Kontrolle der Partei zu zwingen, scheiterte jedoch. Allerdings wurde die Position des Schützenchefs neu organisiert – d.h. ab sofort war Heinrich van Achten weiterhin 1. Vorsitzender des Vereins und Mathias Gehling wurde sein Stellvertreter und Oberst des Regiments. 1937 feierte der Verein sein 70. Stiftungsfest – Schützenkönig war Josef Zorn von der Ratsschützenkompanie.

Umzug auf der Kölner Straße während des Rheinischen Schützentages 1989, vor dem damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau

Umzug auf der Kölner Straße während des Rheinischen Schützentages 1989, vor dem damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau

Im Festbericht vom 6. Juni 1937 wird von der Neuss-Grevenbroicher Zeitung ausführlich über den festlichen Verlauf des Volksfestes berichtet. Gleichzeitig berichtet die Zeitung, dass die Dormagener Bürger großen Wert auf die Feststellung legen, dass die Tradition ihres Vereins viel älter ist als allgemein dargestellt wird. Bereits vor über 300 Jahren soll es nach Meinungen der Dormagener ein Schützenwesen in ihrem Dorf gegeben haben (der Verfasser verweist auf eine mögliche St.Michaels Bruderschaft). Durch Kriegswirren im 17. und 18. Jahrhundert sei das Schützenleben aber wieder in den Hintergrund getreten und 1867 sei nach Meinung vieler Dormagener der Bürger-Schützen-Verein wieder neu gegründet worden. Leider fehlen dem Verein bis heute für obige Feststellung die entsprechenden Dokumente.

1939 wurde mit Schützenkönig Wilhelm Stenz vom Grenadierzug “Bloomepott” das letzte Schützenfest vor dem 2.Weltkrieg gefeiert. Sechs Jahre tobte das Inferno an den Kriegsfronten. Erneut verhinderte ein schrecklicher Krieg die Schützenfest-Veranstaltungen. Schriftliche Zeugnisse, Fotodokumente und Aufzeichnungen über die Vereinsgeschichte sind leider durch die Kriegswirren verloren gegangen.

Im März 1945 marschierten die Amerikaner in Dormagen ein und besetzten unser Heimatgebiet. Jakob Malzkorn, dem späteren Regimentsoberst, gelang es noch, die alte Vereinsfahne vor den Amerikanern in der St. Michaels-Kirche in Sicherheit zu bringen. Bereits am 25. Juni 1946 schrieb Jean Hardt, der spätere Schützenchef, an den Kreisdirektor in Grevenbroich und bat um Auskunft, ob in Dormagen, unter Wahrung der Bestimmungen der Militärregierung, das jährliche Schützenfest wieder durchgeführt werden könne.

Da zu dieser Zeit eine Neubelebung des Schützenvereins praktisch noch nicht möglich war, gründeten 1947 Jean Hardt, Jakob Malzkorn, Hans Jakobs, Hermann und Nikolaus Thron, Johann Kiwitz und August Wannagat die “Kirmesgesellschaft Dormagen” mit dem Ziel, jährlich zur Hauptkirmes im Herbst einen Umzug mit dem Kirmespatron “Zachäes” – einer großen Puppe – durch Dormagen abzuhalten und ein Volksfest durchzuführen (siehe Foto – Kirmesgesellschaft von 1947/48).

In der Satzung der Kirmesgesellschaft vom 6. Mai 1948 wurde als 1. Vorsitzender Jakob Malzkorn bestimmt, und in §14 der Satzung wurde festgelegt, dass mittels “Hahneköppen” die Königswürde zur Hauptkirmes auf dem alten Schützenplatz ermittelt wird. 1948 wurde Toni Haas und 1949 Heinrich Querbach als König der Kirmesgesellschaft ermittelt.

Am 20.06.1949 beantragte der inzwischen offiziell wieder gegründete Schützenverein unter Leitung von Schützenchef Jean Hardt und Regimentsoberst Jakob Malzkorn bei der Amtsverwaltung Dormagen die Genehmigung zur Durchführung des 1. Schützenfestes 1949 nach dem 2. Weltkrieg.

Am 25.06.1949 wurde die Erlaubnis durch die Amtsverwaltung dem Verein erteilt. Heinrich Querbach wurde jetzt als König der Kirmesgesellschaft automatisch die Würde des Schützenkönigs übertragen und stand somit im Mittelpunkt des 1. Nachkriegsfestes, das vom 2. bis 4. Juli dauerte. Der Neuanfang war gemacht.

Das Schützenfest wurde nun wieder jährlich mit Fackelzug, Gefallenenehrung, Frühparade, Festumzügen, Königsvogelschießen mit schwerer Büchse (Kal. 16/70) auf den Holzvogel und diversen großen Schützenbällen im Festzelt durchgeführt. Mit jedem Jahr wurden die Feste schöner und prachtvoller.

Der Regimentsoberst – für die jährlichen Festumzüge zuständig – wird seit 1949 von den Schützen nach der traditionellen Generalversammlung zu Fronleichnam mit einem Fackelzug nach Hause geleitet und mit einem Vorbeimarsch geehrt. Der anschließende “Oberst-Ehrenabend” – mit Schützenabordnungen und zahlreichen Ehrengästen – ist seit vielen Jahren ein beliebter und festlicher Auftakt zum jährlichen Schützenfest.

Immer wieder trat der Verein mit neuen Aktivitäten in die Öffentlichkeit. Jeder Vorsitzender in der Nachkriegszeit – beim Bürger-Schützen-Verein wird er nach alter Tradition weiterhin liebevoll Chef genannt – hat mit bemerkenswerten Initiativen zur Fortentwicklung des Schützenwesens in Dormagen beigetragen.

Der frühere Regimentsoberst Cornelius Kollenbroich mit seinen Adjutanten

Der frühere Regimentsoberst Cornelius Kollenbroich mit seinen Adjutanten

Unter dem Vorsitz von Jean Hardt (1949 – 1954) wurde nach dem 2.Weltkrieg die Neubelebung des Schützenvereins maßgeblich eingeleitet und 1953 mit dem Kauf eines Grundstückes an derWahlhovener Straße ein eigener Schützenplatz in zentraler Lage (Nähe der Ortsmitte) angelegt. Arnold Cremer (1954 – 1957) sorgte dann für die weitere Ausgestaltung des Schützenplatzes und den Bau eines Schießsport- Hochstandes. Unter seiner Ägide lebte die alte Tradition des Schellenbaumes im Festzug wieder auf.

In die Amtszeit von Josef Zorn (1957 – 1969) fällt die Geburtsstunde des aktiven Sportschießens, die Planung einer großen Schießsportanlage mit 14 Bahnen für Luftgewehr und Luftpistolen, sowie 7 Kleinkaliberbahnen á 50m. Unter Vorsitz von Josef Zorn und Regimentsoberst Johannes Malzburg feierte der Verein 1967 das 100-jährige Vereinsjubiläum. Als Schützenkönigspaar im Jubiläumsjahr grüßten Karl und Herta Weißleder vom Grenadierzug “Bloomepott” alle Schützen und Festgäste.

Im Grußwort des Bürgermeisters, Dr. Gustav Geldmacher, zu diesem Jubiläumsfest lesen wir den bemerkenswerten Satz, dass “der Bürger-Schützen-Verein Dormagen – ein BÜRGERVEREIN – ist, der nicht nur von den Mitgliedern, sondern von den Interessen und der Mitwirkung aller Einwohner und Bürger getragen wird”.

1959 erwarb der Verein seine Mitgliedschaft im Rheinischen Schützenbund (RSB).

Nach dem Tode von Josef Zorn übernahm der Planer der Schießsportanlage, Karl Weißleder, den Vorsitz des Vereins (1969 – 1976). Er veranlasste den Baubeginn der Schießsportanlage und konnte bei Inbetriebnahme der Anlage (1973) stolz feststellen, dass von den damals 500 Mitgliedern des Vereins 260 Schützen insgesamt 9.730 freiwillige Arbeitsstunden am Bau geleistet hatten und damit ein Kostenaufwand von 238.000 DM dem Verein ersparten. Aus der Bürgerschaft und den ansässigen Unternehmen wurden 130.000 DM an Sachspenden geleistet und aus dem Vermögen des Vereins flossen nochmals 90.000 DM einschließlich des Grundstückes in die Anlage. Die Bauabrechnung schloss mit einer Gesamtsumme in Höhe von 852.000 DM. Eine geschickte Planung ermöglichte fortan, den gesamten Bereich der Luftgewehranlage als Festsaal zu nutzen und so hatten Dormagen und die Schützen wieder eine Versammlungshalle.

Ein Jahr nach der kommunalen Neugliederung der Stadt Dormagen (1976) übernahm der langjährige Geschäftsführer und Verfasser dieses Berichtes, Heinrich Krosch (1976 – 2000) das Amt des Schützenchefs. Mit der Wahl als damals knapp 40-jährigen Vorsitzenden fand erstmals in der Vereinsgeschichte ein Generationswechsel im Vorstand statt. Der Verein hatte zu dieser Zeit eine Mitgliederstärke von über 650 Schützen. Verstärkung der Jugendarbeit und des Schießsportes, sowie Gestaltung des jährlichen Schützen- und Heimatfestes, der weitere Ausbau des Schützenhauses, die Aufarbeitung der Vereinsgeschichte und Erstellung eines Schützen-Archivs waren die Hauptaufgaben in seiner Amtszeit. Ein besonderes Anliegen war die Pflege der Partnerschaft mit der französischen Stadt Saint-André und der spanischen Stadt Toro (beides Partnerstädte der Stadt Dormagen). Aber auch an großen Veranstaltungen in den USA nahmen unter seiner Leitung Abordnungen des Vereins teil, so 1979 und 1992 an der traditionellen “Steubenparade” in New York, 1981 an der “300-Jahrfeier in El Paso/Texas”.

1989 richtete der Bürger-Schützen-Verein unter Leitung von Heinrich Krosch und Regimentsoberst Cornelius Kollenbroich, den 38. Rheinischen Schützentag unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten aus NRW, Dr. Johannes Rau, und Schützenkönig Uli Thiel, erstmals in Dormagen aus. Zum Auftakt hatte damals die Bayer AG aus Anlass ihres 125-jährigen Firmenjubiläums (1988) den Schützen einen “Schützenbrunnen” für die Innenstadt gespendet. Der Frechener Künstler Olaf Höhnen hatte diesen Brunnen mit 7 Bronzefiguren in einer dreivierteljährigen Arbeit geschaffen. Dieses Prachtstück wurde in der Fußgängerzone aufgestellt. “Nicht als Denkmal, sondern als Zeichen für die besondere Bedeutung des Schützenwesens in unserer Stadt”, so wollte Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann den gespendeten Brunnen verstanden wissen und dankte im Namen der Bürger und Schützen für dieses Geschenk. An dieser großartigen Schützenveranstaltung der rheinischen Schützen nahmen über 3.500 Schützen und 20 Musikkapellen und Tambourkorps aktiv teil. Der Aufmarsch dieser Schützen im Festzug war ein Erlebnis für alle Teilnehmer und eine Werbung für das rheinische Schützenwesen.

1977 wurde auf Anregung des damaligen Bürgermeisters, Dr. Gustav Geldmacher der Initiator der erfolgreichen Schießsportabteilung des Vereins, Willi Schoo, gebeten, alle Vorsitzenden der Schützenvereine und Bruderschaften im Stadtgebiet Dormagen zur Gründungsversammlung eines „Stadtverbandes der Dormagener Schützen“ einzuladen. Die Idee hatte nach einigen Anlaufschwierigkeiten den Erfolg, dass seit vielen Jahren zehn Schützenvereine und Bruderschaften aus Dormagen mit über 6.500 aktiven Schützen in diesem Dachverband vertreten sind. Unter diesen Vereinen findet jährlich ein Schießwettbewerb um den “Dr. Geldmacher-Gedächtnispokal” statt.

Einweihung des Schützenbrunnens auf der Kölner Straße

Einweihung des Schützenbrunnens auf der Kölner Straße

Dem zeitgemäßen Anliegen entsprechend und folgerichtig wird im Vergleich mit dem Statut von 1867 in der neuen Vereinssatzung die Pflege des Schießsportes nach der Pflege des heimischen Brauchtums genannt, ohne damit dem Schießsport Zweitrangigkeit beizumessen. In den bisherigen Erfolgen der Sportschützen von Dormagen wird der Stellenwert des Schießsportes deutlich. In fast allen Disziplinen konnte der Verein Meistertitel bis zu den Landesmeisterschaften erringen. Unsere Bogenschützen schafften die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften, und 1988 nahmen sie sogar an der Olympiaqualifikation teil.

1992 feierten die Dormagener Schützen ihr 125-jähriges Vereinsbestehen mit einem großartigen Festprogramm und dem Schützenkönigspaar Willi und Margret Dresen vom Jägerzug “Rheintreu”. Bürgermeister Heinz Hilgers schrieb als Schirmherr der Jubiläumsveranstaltung in sein Grußwort: “Der Bürger-Schützen-Verein Dormagen bietet erlebte und gelebte Gemeinschaft für Menschen aller Alters- und Gesellschaftsschichten, ein Angebot, das heute in unserer schnelllebigen Zeit vielleicht noch wichtiger ist als vor 125 Jahren”.

Im Januar 1993 wurde dem BSV Dormagen im Namen des Bundespräsidenten, Herrn Richard von Weizsäcker, nachträglich zum 125-jährigen Vereinsjubiläum die “Sportplakette des Bundespräsidenten” durch den Kultusminister von NRW, Herrn Hans Schwier, verliehen. Diese hohe Auszeichnung wurde in der römischen Herberge des Archäologischen Parks in Xanten überreicht für die in langjährigem Wirken erworbenen besonderen Verdienste um die Pflege und Entwicklung des Sports.

Im Jahr 2000 übernahm dann der bisherige Geschäftsführer Rolf Starke die Führung des Vereins mit ca. 900 aktiven Schützen. Heinrich Krosch hatte sich nach seiner fast 25-jährigen Tätigkeit als Schützenchef verabschiedet. Für seine Verdienste in insgesamt 34 Jahren Vorstandarbeit wurde Heinrich Krosch von der Generalversammlung der Schützen zum Ehrenvorsitzenden ernannt. ZumAbschluss seiner Vorstandstätigkeit hatte sich der Schütze Krosch noch einen langgehegten Wunsch selbst erfüllt. Als Schützenkönigspaar 2000/2001 grüßten herzlich Heinrich und Margret Krosch die Schützen zum Beginn des 3. Jahrtausend.

So wie der Bürger-Schützen-Verein Dormagen seit fast 150 Jahren aktiv für die Traditions- und Brauchtumspflege eintritt, wie er sich seit vielen Jahrzehnten bemüht, die Gemeinschaft aller Schichten der Dormagener Bevölkerung zu sein, so wird er auch weiter dafür sorgen, das überlieferte Erbe der Väter in dieser Zeit zu bewahren, um es an die junge Generation weiterzugeben.

 

Heinrich Krosch
Ehrenvorsitzender des BSV